{"id":34,"date":"2018-05-14T07:37:01","date_gmt":"2018-05-14T07:37:01","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hansteuchert.de\/?p=34"},"modified":"2018-05-14T07:37:01","modified_gmt":"2018-05-14T07:37:01","slug":"gedanken-zur-digitalisierung-selbst-gedacht-und-getippt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.hansteuchert.de\/?p=34","title":{"rendered":"Gedanken zur Digitalisierung &#8211; selbst gedacht und getippt"},"content":{"rendered":"<p>Die Digitalisierung, die Computer nehmen uns die Arbeit weg.<\/p>\n<p>Nein, nicht die Computer, sondern die Manager, die Computer einsetzen, um Arbeitskr\u00e4fte einzusparen, tun das. Und wenn dadurch die Arbeit effektiver und in gleicher Qualit\u00e4t erledigt wird, ist das an sich nicht schlecht. Sinnvoll w\u00e4re es, mit den eingesparten Kosten Arbeitskr\u00e4fte f\u00fcr andere Aufgaben zu bezahlen, die Computer nicht \u00fcbernehmen k\u00f6nnen. Unternehmen, die das in der eigenen Firma tun, sind aber in der Minderheit. Diese Extraprofite m\u00fcssen also mit Hilfe von Steuern umverteilt werden, um ein sozial-\u00f6konomisches Gleichgewicht zu halten. Hier kollidieren die Interessen der privatwirtschaftlichen Produktion mit denen der volkswirtschaftlichen und sozialen Entwicklung eines Gemeinwesens.<\/p>\n<p>Der gesamte Sozialbereich von Kinderbetreuung und Bildung \u00fcber Hilfs- u. Pflegebed\u00fcrftige, Jugendarbeit, Kulturpflege, Bildung bis Altenpflege bedarf dringend einer Personalaufstockung um mindestens 30% und einer wesentlich besseren Entlohnung. Es bedarf dieses materiellen Einsatzes nicht nur um eine quantitative Steigerung zu erreichen sondern auch um eine Qualit\u00e4tsverbesserung durchzusetzen.<\/p>\n<p>Dieser qualitative Fortschritt gerade im Bereich der Bildung ist auch dringend notwendig, um die Herausforderungen der Digitalisierung \u00fcberhaupt meistern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Was ist das eigentlich \u2013 Digitalisierung?<\/p>\n<p>Die Digitalisierung ist keine der bisher \u00fcblichen Produktionsumstellungen, nicht nur ein Prozess technischer Ver\u00e4nderung oder produktionsorganisatorischer Ma\u00dfnahmen. Die Steuerung aller bisherigen Prozesse in der Wirtschaft fand unter der Hoheit des Menschen statt. Einem zutiefst analogen Wesen. Menschliche Entscheidungen und Reaktionen sind von sehr vielen Faktoren gepr\u00e4gt und beeinflusst und deshalb sind menschliche Entscheidungen selten logisch, schnell und effektiv. Im besten Fall ber\u00fccksichtigen menschliche Entscheidungen aber eine schier unendliche Zahl an Erfahrungen, wissenschaftlichen Kenntnissen, Gef\u00fchlen und Abw\u00e4gungen und gerade diese F\u00e4higkeit verschiedenste Dinge abw\u00e4gend in Entscheidungen einflie\u00dfen zu lassen, ist eine bisher unerreichte F\u00e4higkeit des menschlichen Wesens. All diese Prozesse, Abl\u00e4ufe, Grunds\u00e4tze gilt es in eindeutige Regeln zu fassen, die es einer Maschine, dem Computer, erm\u00f6glichen zu erkennen, abzuw\u00e4gen und blitzschnell zu entscheiden.<\/p>\n<p>Was erfordert eine erfolgreiche Digitalisierung von uns Menschen?<\/p>\n<p>Sie erfordert, dass wir die zu digitalisierenden Vorg\u00e4nge analysieren und strukturieren k\u00f6nnen. Besonders wichtig ist die Analyse in wie weit Vorg\u00e4nge miteinander verkn\u00fcpft sind, sich gegenseitig ausl\u00f6sen oder bedingen. Hier besteht eine gro\u00dfe Gefahr n\u00e4mlich Prozesse nur eindimensional zu betrachten und damit v\u00f6llig unbeabsichtigte Nebenwirkungen zu produzieren. Solche oberfl\u00e4chliche Ma\u00dfnahmen zur Digitalisierung t\u00e4uschen einen Nutzeffekt oft nur vor, sind selten nachhaltig effektiv und sp\u00fclen nur Geld in die Taschen von Scharlatanen und Verk\u00e4ufern.<\/p>\n<p>Ein gutes Beispiel ist der Sektor der beruflichen Weiterbildung. Die Schulung wird mit Anwendungen des E-Learnings betrieben. Diese Methoden haben nur zwei Vorteile: 1. Teilnehmer und Lehrkraft sparen sich die Anfahrt zum Schulungsort und zweitens die Teilnahme ist meist nicht termin- und zeitgebunden. Nachteile hingegen sind: Der Inhalt und die Methode des Trainings kann kaum an die Voraussetzungen und Bed\u00fcrfnisse der Teilnehmer angepasst werden. Es kommt in der Regel kein Dialog zwischen Lehrendem und Lernenden zustande. Es gibt nur sehr begrenzte M\u00f6glichkeiten der Nach- und R\u00fcckfrage der Teilnehmer. Der Lehrende hat kaum die M\u00f6glichkeit ein direktes Feedback zu empfangen, ob ihm die Teilnehmer folgen k\u00f6nnen und wollen. Die Anpassung der Lehrinhalte an die konkreten Bedingungen der Anwendungsumgebung setzt aber einen solchen Dialog voraus oder bef\u00f6rdert ihn zumindest enorm. Neben der Vermittlung von theoretischen Kenntnissen und Hinweisen zur praktischen Anwendung vermittelt ein guter Trainer aber auch die Motivation zur Anwendung neuer Methoden. Ein nicht zu untersch\u00e4tzender Faktor solange \u00fcberhaupt noch Menschen in einen Prozess involviert sind.<\/p>\n<p>Erst die Kombination der analogen F\u00e4higkeiten eines guten Dozenten oder Trainers mit den digitalen Lehrmitteln, Kommunikationswegen und Trainingsumgebungen sind Voraussetzungen f\u00fcr einen optimalen Erfolg einer Schulung. Der Weg des Selbststudiums ist zwar manchmal der einzige aber selten der effektivste Weg zur Erkenntnis.<\/p>\n<p>Weitere Beispiele f\u00fcr gegenw\u00e4rtige Prozesse der Digitalisierung:<\/p>\n<p>In Bereich der pers\u00f6nlichen Kommunikation haben elektronische Werkzeuge weitgehend die Mittel der analogen Kommunikation verdr\u00e4ngt. Die Post stellt kaum noch private Briefe oder Telegramme zu, sondern verteilt Werbung und amtliche Schreiben. Die private Kommunikation erfolgt \u00fcberwiegend mit Hilfe von Mobiltelefonen, Instantmessengern und E-Mail. Da dieser Bereich mittlerweile vollst\u00e4ndig privatisiert ist, geht es auch hier vor allem um h\u00f6here Gewinne. Das Volumen der Kommunikation ist gewaltig gestiegen und im gleichen Ma\u00df ist die Qualit\u00e4t der Kommunikationsinhalte gesunken. Oft werden nur kurze Nachrichtenfragmente \u00fcbermittelt, sehr selten Umst\u00e4nde, Einsch\u00e4tzungen und Reflektionen zu Ereignissen. Ein gewaltiger Umfang der Kommunikation ist mittlerweile v\u00f6llig sinnentleert. Die Geschwindigkeit dieser Kommunikation in Echtzeit verf\u00fchrt h\u00e4ufig zu emotionsgetriebenen, unbedachten \u00c4u\u00dferungen, die ein v\u00f6llig unn\u00f6tiges Konfliktpotential freisetzen. Wie zum Beispiel Mobbing in sozialen Netzwerken und twitternde Politiker.<\/p>\n<p>Die technischen M\u00f6glichkeiten der digitalen Kommunikation wurden dazu genutzt einen gewaltigen Markt zu schaffen, an dem fast jeder dem Kindesalter entwachsene Bewohner der 1. und 2. Welt teilnimmt, der unbestritten auch Vorteile mit sich bringt, aber auch eine Vergeudung von Ressourcen, Rohstoffen, Energie und geistigem Potential verursacht hat.<\/p>\n<p>Ganz \u00e4hnlich verh\u00e4lt es sich mit den Informationsmedien. Durch das WWW stehen eine Unzahl von Informationskan\u00e4len, -portalen und Nachrichtendiensten rund um die Uhr f\u00fcr fast jeden bereit, aber der Nutzer wird immer weniger bef\u00e4higt, mit diesem Informationszunami sinnvoll umzugehen. Der verantwortungsbewusste Journalismus k\u00e4mpft um seine Existenz. Lohnschreiber durchforsten die Nachrichtenportalte und \u201estricken\u201c daraus dem Profil des Mediums entsprechende tendenziell ausgerichtete Artikel. Ganz abgesehen davon, dass im Internet jeder Prophet, jeder Schuft und jeder Betr\u00fcger seine \u201eBotschaft\u201c \u00f6ffentlich machen kann.<\/p>\n<p>Es ist also hier durchaus die Frage zu entscheiden, ob das alles ein Gewinn an Freiheit der Entscheidung ist, oder gesteuerter Versuch der Massenmanipulation durch Informations\u00fcberflutung von wirklich wichtigen Problemen abzulenken.<\/p>\n<p>B\u00fcroarbeit ist heute weitgehend digitalisiert, da so gut wie alle Vorg\u00e4nge digital gespeichert sind und auch digital bearbeitet werden. Zentrale Datenspeicherung erlaubt einen umfassenden Zugriff auf Datenbest\u00e4nde und deren effektive Verwendung f\u00fcr diverse Abl\u00e4ufe. Fehlerhafte Bedienung der verwendeten Technik und technische Defekte k\u00f6nnen zu erheblichen St\u00f6rungen im betrieblichen Ablauf f\u00fchren, deren Auswirkungen durch komplexe Vernetzung noch potenzieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Strategien zur Fehlervermeidung, zur Datensicherung und Konzepte mit Havarie-Strategien gewinnen eine immense Bedeutung, befinden sich aber vielfach noch in der Entwicklung.<\/p>\n<p>Zielgerichtete Eingriffe in die technische Infrastruktur sind sicher eine der gr\u00f6\u00dften Bedrohungen der n\u00e4heren Zukunft.<\/p>\n<p>Beispiele wie die Zugkollisionen bei der Bahn in letzter Zeit demonstrieren wie wenig digitalisierte Sicherheitssysteme, die von einem gro\u00dfen Konzern mit nahezu unbegrenzten M\u00f6glichkeiten installiert wurden, Unf\u00e4lle ausschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel m\u00f6chte ich zitieren:<\/p>\n<p>\u201eDatenauswertungsprogramme wie IBM Watson Analytics k\u00f6nnten ein zentraler Bestandteil des Personalmanagements werden. Auf Basis von Statistiken w\u00fcrden dann Entscheidungen \u00fcber Bef\u00f6rderung, K\u00fcndigung oder Teamplanung fallen.\u201c \u2026\u201cWie \u00fcberall, wo Digitalisierung das Arbeitsleben ver\u00e4ndert, rufen die neuen Instrumente Hoffnungen und Bedenken hervor. Bef\u00fcrworter sehen in den emotionslosen Rechnungen die Chance, Willk\u00fcr und Diskriminierung vorzubeugen. Wenn etwa ein Computer Bewerbungen auswerte, so die Hoffnung, spielten Hautfarbe, ein ausl\u00e4ndisch klingender Name oder das Geschlecht keine Rolle mehr.\u201c \u2026\u201cSoftware wird von Menschen programmiert. Menschen mit Vorurteilen erkl\u00e4ren also der Maschine, wie sie Entscheidungen treffen soll. Zudem lernt der Algorithmus aus den Daten, mit denen er gef\u00fcttert wird. Aber er stellt sie nicht infrage. Spiegeln diese Daten eine ungerechte gesellschaftliche Realit\u00e4t wieder, schl\u00e4gt sich das im Ergebnis nieder. Soll zum Beispiel eine Software ermitteln, welche Mitarbeiter mutma\u00dflich das Unternehmen verlassen, kann es gut sein, dass junge Frauen ganz oben auf der Liste stehen.\u201c (J. Schulz; neues deutschland vom 5.\/6.5.18)<\/p>\n<p>\u00d6fter h\u00f6re ich hier die Forderung nach hoher Agilit\u00e4t des Unternehmens und der Mitarbeiter. Ich w\u00fcrde diesen Begriff mal mit Wandlungsbereitschaft und Wandlungsf\u00e4higkeit beschreiben. Gelegentlich habe ich den Eindruck manche Softwarehersteller gaukeln uns diese Agilit\u00e4t vor indem sie in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden die Bedienelemente ihrer Software durcheinanderwirbeln und mit neuen Namen belegen. Fr\u00fcher nannte man das \u201ealter Wein in neuen Schl\u00e4uchen\u201c. Nat\u00fcrlich braucht ein so fundamentaler Umwandlungsprozess wie die Digitalisierung, die Bereitschaft von Planern, Finanziers, Analytikern, Technikern und Anwendern. Aber jeder von diesen Beteiligten muss seinen Anteil beisteuern.<\/p>\n<p>Von den Teilnehmern dieses Prozesses maximale Flexibilit\u00e4t in Bezug auf Arbeitszeit und Arbeitsort zu fordern, st\u00e4ndiges Lernen in seinem und angrenzenden Fachgebieten kann nur funktionieren, wenn daf\u00fcr auch die Grundlage f\u00fcr ein gesichertes soziales Umfeld garantiert wird. Das hei\u00dft planbare Arbeitszeit und Freizeit, Basis f\u00fcr die materielle Absicherung einer Familie, M\u00f6glichkeiten f\u00fcr kulturelle Bereicherung und zur Gesunderhaltung.<\/p>\n<p>Es sind wohl erhebliche Zweifel angebracht, dass das herrschende kapitalistische System neoliberaler Pr\u00e4gung diese Aufgabe bew\u00e4ltigen kann, steht doch das Ziel der Profitmaximierung hier eher im Hintergrund und partiell sogar den Zielen der Digitalisierung entgegen. So wird der Begriff der Digitalisierung gegenw\u00e4rtig eher als sagenumwobene Legende benutzt, um brutale Eingriffe in sozio\u00f6konomische Gef\u00fcge zu begr\u00fcnden und um soziale Errungenschaften gerade in der Arbeitswelt zu liquidieren. K\u00fcnstliche Intelligenz kann nur infolge menschlicher Intelligenz entstehen. Bisher tut sich die analoge menschliche Intelligenz eher schwer damit die Voraussetzungen f\u00fcr k\u00fcnstliche Intelligenz niederzuschreiben. Es geht gar nicht so sehr um die technische Realisierung intelligenter Maschinen, es geht um die Basis f\u00fcr die Algorithmen, nachdenen diese funktionieren sollen.<\/p>\n<p>Da die gegenw\u00e4rtigen vielf\u00e4ltigen Ma\u00dfnahmen der Automatisierung unter Nutzung digitaler Technologien fast ausschlie\u00dflich der Profitmaximierung dienen sollen, vertiefen sie eher die Volkswirtschaftlichen Widerspr\u00fcche und stehen damit einer Digitalisierung in Bezug auf die Nutzung k\u00fcnstliche Intelligenz entgegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Digitalisierung, die Computer nehmen uns die Arbeit weg. Nein, nicht die Computer, sondern die Manager, die Computer einsetzen, um Arbeitskr\u00e4fte einzusparen, tun das. Und wenn dadurch die Arbeit effektiver und in gleicher Qualit\u00e4t erledigt wird, ist das an sich nicht schlecht. 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